Ich möchte mich kurz vorstellen:
Ich heisse Peter Ahrbecker und bin 1959 in Göttingen / Niedersachsen geboren. Ich habe Kindheit und Jugend bis zum 38. Lebensjahr, nur unterbrochen von Studium und Wehrdienst, in Göttingen verbracht und bin nun nach einigen beruflich bedingten Umzügen in Oberfranken gelandet. Ich habe hier geheiratet und lebe mit meiner Frau Claudia und den Söhnen Martin (*2001) und Michael (*2004) seit 2001 in einem kleinen Haus am Rande der ruhigen, aufstrebenden Marktgemeinde Eggolsheim.
Nun fragt sich der Leser vielleicht, wie kann sich so ein freundlich aussehender Mensch nur mit Amateurfunk befassen, und auch noch solche unästhetischen Antennengebilde auf das Hausdach und in den Garten stellen? Wie konnte es nur so weit kommen? Da kann ich immer nur antworten: Das ist eine lange, traurige Geschichte :-))

Schon früh interessierte ich mich für die kleinen 'Elektrotierchen', die überall in den Steckdosen im Haus wohnen mußten. Leider (oder zum Glück) bekam ich diese, trotz einiger Versuche, mit Mutters Stricknadeln in den Steckdosenlöchern danach zu stochern, nicht zu sehen. Richtig begonnen hat dann alles im Alter von 11 Jahren. Nachdem mir mit dem KOSMOS 'Elektromann' Baukasten kein neuer Unfug (wie die kleine Schwester elektrisieren) mehr einfiel, entschloss ich mich, ein altes Röhrenradio auseinanderzunehmen. Mit dem Zusammenbau ging dann aber doch nicht alles glatt. Es waren irgendwie Teile übrig und es funktionierte nur noch eingeschränkt.

Mit Funkgeräten kam ich in dieser Zeit auch in Berührung. Da gab es diese relativ preiswerten 'Exportgeräte' überall zu kaufen. Wir und unsere Freunde hatten je 2 Satz davon, und nun hielten wir mit den 4 Handfunkgeräten auf dem Wochenendgrundstück und bei Wanderungen Kontakt zu den Eltern. Wir waren beeindruckt, das man über 4 Km ohne Sicht zueinander noch sprechen konnte. Wie ich erst viel später herausbekam, arbeiteten die Geräte im 10m Amateurband auf 28,5 Mhz AM. Hin und wieder hörte man dort so seltsame unverständlich brabbelnde Stimmen, und weil wir auch eine Frage zu den Geräten hatten (was ist denn ein AC-Jack), fragten wir den Arbeitskollegen meines Vaters eines Tages, was das sein könne.

Karl-Heinz Winkler war schon seit Ende der 50er Jahre Funkamateur und schon seit den frühen 50er Jahren eng mit meinen Eltern befreundet. Mein Vater hätte auch schon gerne früher mit der Funkerei angefangen, hatte es dann aber wegen der eintreffenden Kinder und Hausbau nicht weiter verfolgen können. Karl-Heinz, der das Amateurfunkrufzeichen DJ9CL besitzt, erklärte uns nun, das der AC-Jack ein Anschluss für ein Netzteil ist, und das der Betrieb der Geräte in Deutschland (eigentlich Weltweit) auf den bequarzten Frequenzen nur geprüften Funkamateuren vorbehalten ist. Und ob ich nicht an so etwas Interesse hätte. Es fände gerade im Jugendfreizeitheim der Stadt Göttingen, in dem die Göttinger Funkamateure damals Ihr Dominizil hatten, ein offener Kurs zur Vorbereitung auf die Prüfung zum Funkamateur statt. Ich war 14 und sehr interessiert. Mein Vater auch, und so meldeten wir uns gleich am nächsten Dienstag bei dem Kurs an. Damit wir schon mal reinhören konnten, gab uns Karl-Heinz noch einen Kurzwellenempfänger TRIO / KENWOOD 9R56D nebst externem Lautsprecher aus seinem schier unerschöpflichen Gerätefundus mit. Karl-Heinz war schon damals ein großer Förderer von Nachwuchs-Funkamateuren, und auch nie um eine Spende verlegen, wenn bei Vorhaben im OV finanzielle oder organisatorische Unterstützung notwendig war. Er versteht es immer noch, die richtigen Leute zusammen zu bringen, damit ein Vorhaben gelingt. Dazu auch mehr in der 'Erfolgsstory' zum Göttinger Baby. Auch dem DARC hat er in schwierigen Zeiten einige Jahre als Schatzmeister ehrenamtlich gedient, und intensiv an der Konsolidierung der damals angeschlagenen Finanzen gewirkt. Mir sind noch sehr gut die 'Arbeitseinsätze' im neu gebauten AFuZ in Baunatal im Gedächtnis, wo er uns die 50 Km aus Göttingen hinfuhr, und wir dann am Wochenende QSL-Karten sortierten, die in der Anfangszeit der neuen QSL-Karten Sortieranlage noch nicht alle von dieser bewältigt werden konnten.

Ich bin Ihm auch ganz persönlich zu großem Dank verpflichtet. Er war immer mit Rat und guten Kontakten da, und hat viele meiner Entscheidungen in den frühen Jahren geprägt - Vielen Dank Charly !

(DJ9CL starb nach kurzer, schwerer Krankheit am 3.Juli 2008 - Wir werden Ihn nicht vergessen)

Also ging es nun mit der Amateurfunkerei los. Zu Hause bauten wir uns einen ca. 30m endgespeisten Draht an mein Zimmerfenster. Der Erdungsschalter mit Dachrinnenanschluß wurde nicht vergessen. Das war noch der Erfahrungsschatz meines Vaters aus seinen Radiobastelzeiten in den 40er und frühen 50er Jahren. Der Empfang war enorm. ich konnte viele Rundfunksender und Funkamateure hören. Nun wusste ich auch, was diese 'quetschigen' Stimmen aus dem Handfunkgerät waren. Das waren SSB-Signale, die nun mit dem BFO fein einregelbar hörbar wurden.

In Amateurfunklehrgang ging es gut voran. Die Ausbilder brachten den Stoff interessant rüber. Technik und Betriebstechnik und Gesetzeskunde machten Walter (DJ3KQ) und Rudi (DK1FS) , Matthias (DC5AG). Später kam dann noch Ullrich (DB1AU, später DL4AU) dazu, der den Kursus dann lange Jahre durchgeführt hat, und leider viel zu früh verstorben ist.

Eine hervorrragende Telegrafieausbildung hielt Klaus (DK1VX), ein ehemaliger Funker der Bundemarine, erst über Lautsprecher im großen Raum. Später, als sich die Reihen gelichtet hatten und das Geben von Morsezeichen geübt werden mußte, fand das Training in einem kleinen Raum mit einer, bei der Bundeswehr ausgesonderten Morseübungsanlage mit 20 Plätzen statt. Die auf diese Weise eingepaukte CW verlernt man nicht mehr - Danke Klaus!

Als der Kurs auf das Ende zuging, meldeten sich ein großteil zur Prüfung an. Mein Vater auch. Ich konnte mich damals leider nicht anmelden, weil ich noch keine 16 Jahre alt war, die Vorraussetzung, um eine Prüfung abzulegen. Heute ist das alles anders. Mein Vater ging zur Prüfung, und kam zurück. Ohne Lizenz. er war leider in Betriebstechnik durchgerasselt. Der Rest war aber geschafft. Nur die Telegrafie hatte unerwartet Probleme bereitet. Der bei der Prüfung betriebene Maschinensender hatte ein total anderes Punkt-Strich-Pausen Verhältnis gegeben, als wir in unserer 'Marineausbildung' und von den Tonbandkursen gewohnt waren. Nach 20 Zeichen hatte mein Vater den Bleistift beiseite geworfen. Darauf später vom Prüfer angesprochen, sagte mein Vater, das er Schwierigkeiten mit in solcher Form gegebenen Zeichen hat. Der Prüfer bot sofort an, für meinen Vater den Text von Hand zu geben. Diesmal klappte es auf Anhieb. Keine Fehler bei Hören und Geben - Telegrafieprüfung bestanden. Zur nächsten Prüfung Mitte 1975 klappte es dann auch mit der Nachprüfung in Betriebstechnik, und wir konnten meinen Vater schon mit seinem Rufzeichen DK7AJ empfangen. Wir hatten nämlich die zurückkehrenden, frischgebackenen Funkamateure über die 2m Relaisfunkstellen seit Abfahrt von der OPD in Brauschweig empfangsseitig verfolgt. Bei mir kam am 6. Dezember 1975 der große (Nikolaus) Tag. Vor wenigen Tagen war ich 16 Jahre alt geworden, und nun standen der Prüfung keine Hürden mehr im Weg. Mein Vater fuhr mich und einige Mitstreiter nach Braunschweig zur Oberpostdirektion. Die Prüfung verging wie im Flug. Auch die Telegrafie, vor der ich den meisten Respekt hatte, war kein Problem. Problemlos über die benötigeten 75% Punkte in Technik und jeweils ein Fehler bei geben und hören von Morsezeichen brachten mir die begehrte Urkunde und das amtlich zugewiesene Rufzeichen DK8AF. Aussuchen oder Wunschrufzeichen gab es damals nicht, sonst hätte ein Call mit AP sicher besser gepaßt. Aber daran dachte man überhaupt nicht. Mit der damaligen Klasse A mußte man sich nun ein Jahr bewähren, ohne durch Probleme bei der OPD auffällig zu werden. Nach diesem Jahr konnte man die Klasse B beantragen, und mit den dann maximal erlaubten 150 Watt Anodenverlustleistung in die Luft gehen. Bis zum 18. Lebensjahr war die Genehmigung übrigens nur 'auf Widerruf' erteilt. Also 2 Jahre schön brav sein ,-)

Es standen dann rasch einige Leihgeräte von Karl-Heinz (Charly) im 'Shack', und es wurden rasch sendefähige Antennen im Garten verspannt. Eine FD4 am Anfang reichte für die Kurzwelle. Als erstes ging es mit einem HW12A auf 80m in das Getümmel. Man verlor schnell die 'Mikrofonangst', und schnell war dann 80m nicht mehr genug. Als nächste Leihgabe gab es ein SWAN 350, 5 Band TRX alles mit Röhren und 350 Watt Input. Da kamen dann schon teilweise 200 Watt an die Antenne, und es machte mächtig auf 80, 40, 20, und 10m Spaß.

Für VHF wurde der 'Sperrtopf' noch um ein paar drehbare Yagi's erweitert. Für VHF hatten wir ein Inoue Communication (ICOM) IC2F mit 6 Quarzkanälen, die aber auch zu der Zeit reichten.

Als erstes eigenes Gerät kaufte ich mir von meinem Ersparten. Der Sommer mit einer guten Süßkirschenernte die ich in der Bekanntschaft verkaufen konnte, brachte den Grundstock dazu. Unter großartiger Vermittlung (Prozente) von 'Charly-DJ9CL' zum Großhändler in Hannover ein nagelneues KENWOOD TR-2200G, 12Kanal Quarz(grab) mit einbaubaren 10 Akkus tragbar zu betreiben. Es hatte ca. 1W, eine eingebaute Teleskopantenne und war damals der Traum aller 'Jungfunker'. Was haben wir über die Jahre an dem rumgebastelt. Quarze gezogen, um andere Frequenzen zu erreichen, Empfangsvorverstärker, Beleuchtung, Roger-Piep. Und ich habe es heute noch.

Nach einiger Zeit musste eine Kurzwellenrichtantenne her. Nach einem Sturm war bei Adi, DK5AT eine 'Münchener Quad' fast neuwertig über. Er hatte Sie auf einem Hochhausflachdach mit einem Wasserrohr als Mast aufgebaut, aber die Windlast war zu hoch, und es hatte das Rohr verbogen. Wir bekamen sie zu einem günstigen Preis, und bauten sie im Garten auf einem selbstgeschweissten Kippgelenkmast in 10m höhe auf. Genug für eine 2-Element Quad. Nun waren die Signale auf 20, 15 und 10m um einiges besser, und der Start in das 'DX-Geschäft' erfolgte. Aber mit den doch etwas betagten Leihgeräten war es nicht immer einfach. Und da der Geburtstag und Weihnachten vor der Tür stand, gabs es die Anfrage an DK7AJ, ob nicht das Christkind dieses Jahr eine Kurzwellenstation vom Typ Yaesu / Sommerkamp FT-101 / FT-277 E bringen könnte. Und es konnte, wenn auch nicht ganz uneigennützig vom 'Christkind'. Immerhin eine Anschaffung von ca. 2500 D-Mark. Damit machte es nun doppelt Spaß, und der Stand der 'gearbeiteten DXCC-Länder stieg stetig an.

 Wird fortgesetzt...
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Last changes / Überarbeitet am / 20. Mai 2014